Sprachlos ohne Slogan

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Sprachlos ohne Slogan

Sprachlos ohne Slogan

Slogans – für die Ewigkeit? Was wir sagen und wie wir es sagen, ist unmittelbar mit unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit verbunden. Filmzitate fließen ebenso ein wie Lehnwörter aus Sprachen, deren Herkunftsländern wir großen Einfluss auf unsere Denkweise zugestehen. Manche Worte werden zu Schlagwörtern, die immer wieder verwendet werden und meist eine ganze Geschichte zusammenfassen. Und mittendrin stehen Sie und suchen einen tollen Werbespruch.

Wenn Sie einen pfiffigen Slogan suchen, sollten Sie zuvor wissen, wofür und wie lange Sie ihn verwenden wollen. Soll es ein Spruch sein, der Ihr Unternehmen über seine gesamte Lebensdauer begleitet? Suchen Sie eine Art Jahresmotto? Oder soll nur ein bestimmtes Produkt einen eigenen Werbespruch bekommen?

Eng verbunden damit ist die Frage nach der Zielgruppe  – ist der Ansprechpartner ein möglicher Nutzer eines Ihrer speziellen Produkte und daher eingrenzbar, was sein Alter, seine Interessen, sein Geschlecht oder den Bildungsstand angeht? Oder ist Ihr Ansprechpartner quasi die ganze Welt? Je genauer Sie Ihre Zielgruppe eingrenzen können, desto näher können Sie sich auch sprachlich an ihren Gewohnheiten orientieren. 

Suchen Sie aber einen universellen Spruch, den Sie viele Jahre auf dem Briefbogen, ihrer Werbung und in Ihrem Internetauftritt verbreiten können, denken Sie bei der Wortwahl daran, dass Ihr Slogan Zeitströmungen unterworfen sein wird. Manche Worte vergehen schneller als andere. 

Einer der bekanntesten Slogans ist der 2002 eingeführte Spruch „Geiz ist geil!“. Der kurze Spruch mit dem schönen Gleichlaut wurde nur durch die Umdeutung des Begriffes „geil“ möglich. Zwanzig Jahre zuvor hätte der Slogan einen so deutlichen sexuellen Anklang gehabt, dass man ihn wahrscheinlich nicht Betracht gezogen hätte. Nochmals zwanzig Jahre früher hätte man mit dem Adjektiv ein fruchtloses Längenwachstum bei Pflanzen verbunden – der Spruch hätte nicht mal Sinn gemacht. 

Auch der Begriff „Sinn machen“ ist genaugenommen nur eine wörtliche Übersetzung aus dem Englischen (make sense) und eigentlich kein deutscher Begriff. Denn „Sinn“ kann im Deutschen nur etwas „haben“, nicht „machen“. Also auch ein Zeitgeist-Wort. 

Erstmals 1971 und seit 1977 in jedem Jahr kürt eine Fachjury der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. ein „Wort des Jahres“. Flankiert wird das Siegerwort von neun weiteren Wörtern, die es auch hätten werden können – wenn die gesellschaftliche Situation sich nur wenig anders dargestellt hätte. Die Wörter des Jahres sind also eigentlich ein Rückblick in die Geschichte, und zwar speziell in jene Teile der Geschichte, über die in der Öffentlichkeit besonders viel gesprochen wurde. 2015 war das Wort des Jahres „Flüchtlinge“, gefolgt von „Je suis Charlie“ und „Grexit“. 2014 wurde die „Lichtgrenze“ zum Wort des Jahres  – wissen Sie noch, was gemeint war? Weiter hinten in den Listen tauchen vermehrt Wörter auf, deren Sinn sich heute, nur wenige Jahre später, kaum noch rekonstruieren lässt. 2011 auf Platz 2: „hebeln“. Gemeint ist die Erweiterung des Rettungsschirmes der Eurostaaten um externe Finanzmittel. 2009 auf Platz 8: Das „Studium Bolognese“, das die Schwierigkeiten bei der Umstellung der Studienordnung  auf Bachelor- und Masterabschlüsse (Bologna-Prozess) mit einem studentischen Grundnahrungsmittel verbindet. 2005 taucht auf Platz 7 das Verb „hoyzern“ auf – wer nicht gerade Fußballfan ist, kann damit nichts mehr anfangen, wetten? Sprache ist Zeitgeist, was uns aktuell nicht mehr beschäftigt, wird wieder sprachlos.

Ach ja, die „Lichtgrenze“: Sie bezeichnete die Installation von 8000 weiß leuchtenden Luftballons entlang des früheren Mauerverlaufs in Berlin am 25. Jahrestages der Grenzöffnung. Der dunkle Todesstreifen als filigrane Lichtlinie, die sich auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten in Nichts auflöste. 

Und Ihr neuer Slogan? Damit der sich nicht in ein paar Jahren auch in Nichts auflöst, sollte man ihn geschickt wählen. Probieren Sie ihn bei verschiedenen Zielgruppen aus. Schreiben Sie ihn auf – passt das Wortbild zu Ihrem Produkt? Verstehen ihn alle Kunden richtig? Ein Parfümeriekette warb vor ein paar Jahren mit dem Slogan: „Come in and find out“. Gemeint war: „Komm rein, sei neugierig, sieh selbst“. Verstanden wurde von den deutschen Kunden: „Komm rein und finde wieder raus“. Der Spruch wurde schnell wieder abgelöst und war ein kostspieliger Flop.